Das europäische Unternehmen Milence hat eine Finanzierung in Höhe von 120 Millionen Euro gesichert, um die Ladeinfrastruktur für Elektro-Lkw in Europa erheblich auszuweiten. Die Mittel werden von der Europäischen Union im Rahmen des InvestEU-Fonds unterstützt und markieren laut Unternehmensangaben den Einstieg von Milence in die breiteren Kapitalmärkte. Damit soll der Aufbau eines flächendeckenden Ladenetzes für den Schwerlastverkehr deutlich beschleunigt werden.
Milence betreibt derzeit das größte öffentliche Ladenetz für elektrische Lkw in Europa: 34 Ladehubs in acht Ländern sind bereits in Betrieb. Das Unternehmen wurde als Joint-Venture der Lkw-Hersteller Daimler, Traton und Volvo gegründet – drei der führenden Produzenten von Elektro-Lkw auf dem Kontinent. Bis Ende 2028 plant Milence, insgesamt 90 Ladehubs betriebsbereit zu haben.
Neue Hubs, größere Standorte und Megawatt-Laden für den Schwerlastverkehr
Mit den neuen Mitteln sollen bestehende Standorte erweitert, neue Hubs eingerichtet und das Megawatt-Ladesystem (MCS) eingeführt werden. Das MCS ermöglicht deutlich höhere Ladeleistungen als herkömmliche Systeme und gilt als Schlüsseltechnologie für den wirtschaftlichen Betrieb von Elektro-Lkw im Fernverkehr. Die Finanzierung verschafft dem Unternehmen nach eigenen Angaben flexible und skalierbare Mittel für seine kapitalintensive Ausbaustrategie.
Der Bedarf an leistungsstarken Ladelösungen für den Schwerlastverkehr wächst mit der zunehmenden Elektrifizierung des Lkw-Sektors. Eine dichte Elektro-Lkw-Ladestation-Infrastruktur gilt als Grundvoraussetzung dafür, dass nachhaltiger Güter- und Fernverkehr wirtschaftlich tragbar wird. Milence sieht sich nach eigenen Angaben als First Mover in diesem Segment und ist dank der engen Zusammenarbeit mit den führenden europäischen Lkw-Herstellern strategisch gut positioniert.
Europäische Energiewende und Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen
Die Finanzierungspartner betonen die strategische Bedeutung des Vorhabens über den Transportsektor hinaus. Milence schließe eine strukturelle Lücke im europäischen Verkehrssystem, so Investoren laut Unternehmensangaben. Der elektrische Straßengüterverkehr wird dabei nicht nur als Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrs gewertet, sondern auch als Baustein der europäischen Energiewende und der Reduzierung von Abhängigkeiten von importierten fossilen Brennstoffen.
Die Unterstützung durch den InvestEU-Fonds unterstreicht, dass die Europäische Union die Ladeinfrastruktur für Elektro-Lkw als prioritäres Investitionsfeld betrachtet. Der Ausbau gilt jedoch nach Einschätzung von Milence als ungleichmäßig verteilt und erfordert neben Finanzierungen auch vereinfachte Genehmigungsverfahren, um das notwendige Tempo zu erreichen.
Wachsender Markt für elektrische Lkw und Ladelösungen
Der Schwerlastverkehr steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Elektro-Lkw von Herstellern wie Volvo, Daimler und Traton – den Gründungsgesellschaftern von Milence – sind mittlerweile im regulären Einsatz, und die Nachfrage nach geeigneter Ladeinfrastruktur steigt entsprechend. Milence konzentriert sich dabei auf strategisch wichtige Transportrouten und Knotenpunkte, sowohl im Fern- als auch im Regionalverkehr.
Mit 34 aktiven Hubs, 16 weiteren in der Entwicklung und einem klaren Ziel von 90 Hubs bis 2028 baut Milence seine Rolle als zentraler Infrastrukturanbieter für den europäischen E-Lkw-Markt systematisch aus. Die neue Finanzierungsrunde verschafft dem Unternehmen die Mittel, diesen Zeitplan einzuhalten und das Megawatt-Ladesystem flächendeckend einzuführen.