E-Lkw in China: Masterplan bis 2030 mit 40 % Ziel

China plant einen Masterplan für schwere E-Lkw: Bis 2030 sollen NEV-Lkw 40 % Marktanteil erreichen – mit 3.000 Ladestationen und 30.000 km Güterkorridoren.

Die chinesische Regierung hat einen umfassenden Masterplan zur Förderung schwerer E-Lkw über 12 Tonnen Gesamtgewicht vorgelegt. Bis 2030 sollen elektrische Lkw und andere New Energy Vehicles (NEV) in diesem Segment einen Zulassungsanteil von 40 Prozent erreichen. Das geht aus einer gemeinsamen Erklärung von elf chinesischen Regierungsstellen hervor.

Als zentrales Instrument plant die Regierung die Bezuschussung von rund 3.000 Lade- und Batteriewechselstationen. Parallel dazu sollen 30.000 Kilometer CO₂-freie Güterverkehrskorridore auf wichtigen Autobahnen entstehen. Betreiber von Autobahnraststätten werden dabei verpflichtet, entsprechende Ladeinfrastruktur zu errichten oder zumindest Flächen dafür vorzuhalten.

Spezifische Ziele für Regionen und Einsatzszenarien

Der Plan geht über nationale Durchschnittsziele hinaus und legt ausdifferenzierte Quoten für einzelne Regionen fest. Im nordchinesischen Ballungsraum Peking-Tianjin-Hebei sieht die Roadmap eine Elektrifizierungsquote von 80 Prozent für regelmäßige, kurze Lkw-Pendelstrecken vor. Ähnliche Vorgaben gelten laut dem Plan auch für die Fenwei-Ebene.

Die Maßnahmen sind auf einen Markt ausgerichtet, der bereits deutlich Fahrt aufgenommen hat. Nach Angaben des Portals CnEVPost belief sich der Absatz schwerer NEV-Lkw in China im Jahr 2025 auf 231.100 Einheiten – ein Marktanteil von 29 Prozent bei den Neuzulassungen. Dieser Wert wird allerdings durch einen Einmaleffekt im Dezember verzerrt: Kurz vor dem Jahreswechsel, als Subventionen abgebaut wurden, schnellte der NEV-Anteil auf 54 Prozent hoch, fiel danach aber wieder merklich ab.

Elektro-Lkw: China und Europa im Vergleich

Die Dimension des chinesischen Hochlaufs wird im internationalen Vergleich besonders deutlich. In Europa kamen 2025 laut ACEA-Statistik insgesamt 6.372 extern ladbare Elektro-Lkw ab 16 Tonnen neu auf die Straßen – das entspricht einem Marktanteil von rund zwei Prozent. Selbst wenn man leichtere elektrische Lkw ab 12 Tonnen hinzuzählt, bleibt der Abstand zu China erheblich.

Während europäische Hersteller wie MAN, Scania, Volvo oder Mercedes mit ihren Elektro-Lkw-Modellen schrittweise Marktanteile aufbauen, agiert China mit staatlicher Planungspräzision auf einem anderen Niveau. Der neue Masterplan ist dabei kein Neustart, sondern die Beschleunigung eines bereits laufenden Prozesses – mit konkreten Infrastrukturzielen, Regionalquoten und koordiniertem Fördereinsatz als Hebel.

Ladeinfrastruktur als Schlüssel zum Roll-out

Ein wesentlicher Baustein des Plans ist der flächendeckende Ausbau der Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge. Die geplanten 3.000 geförderten Lade- und Batteriewechselstationen sollen entlang der definierten Güterverkehrskorridore entstehen und so den wirtschaftlichen Betrieb elektrischer Lkw auf langen Strecken ermöglichen. Betreiber bestehender Raststätten an Autobahnen werden in die Pflicht genommen, entsprechende Kapazitäten bereitzustellen.

Ob das ambitionierte 40-Prozent-Ziel bis 2030 tatsächlich erreicht wird, hängt neben der Infrastruktur auch davon ab, wie stabil die Nachfrage nach dem Auslaufen temporärer Subventionseffekte bleibt. Die Zahlen aus dem Jahr 2025 liefern dafür eine solide, wenn auch verzerrte Ausgangsbasis.