Ein Förderaufruf des Bundesverkehrsministeriums zur Finanzierung privater E-Lkw-Ladeinfrastruktur für kleine und mittlere Unternehmen ist am 5. Juni bereits nach sechseinhalb Stunden geschlossen worden. Die bereitgestellten Fördermittel waren nach Angaben des Projektträgers Jülich um 16:23 Uhr vollständig ausgeschöpft – obwohl die Antragstellung erst um 10:00 Uhr desselben Tages geöffnet hatte.
Besonders bitter: Zahlreiche Unternehmen konnten nach eigenen Angaben gar keine Anträge einreichen. Das Online-Portal des Projektträgers Jülich war demnach über weite Teile des Tages nicht funktionsfähig. Selbst der Kundensupport habe bestätigt, dass bis gegen Mittag wegen technischer Schwierigkeiten keine Bewerbungen durchgingen, berichtete ein Vertreter des eMobility-Dienstleisters Flottenwende, der mehrere Unternehmen bei der Antragstellung koordiniert hatte.
E-Lkw-Ladestation: Förderung im First-Come-First-Served-Verfahren
Der sogenannte „Aufruf A" richtete sich gezielt an KMU, die eine eigene Lkw-Ladestation im Betriebsdepot errichten wollen. Die Förderung war bewusst niedrigschwellig gehalten und wurde ohne Auswahlverfahren in der Reihenfolge der Antragseingänge vergeben. Gerade dieses Prinzip dürfte den massiven Andrang verursacht haben – und stellte die digitale Infrastruktur des Portals vor Herausforderungen, denen sie offensichtlich nicht gewachsen war.
Auf LinkedIn äußerten betroffene Unternehmen und Dienstleister erheblichen Unmut. Viele Firmen, die unter wirtschaftlichem Druck stehen und auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen sind, um in Elektro-Lkw-Infrastruktur zu investieren, blieben ohne Chance auf eine Förderung – nicht wegen fehlender Berechtigung, sondern wegen technischer Hürden.
Alternativen: Aufruf B und weitere Förderrunden geplant
Für KMU, die beim „Aufruf A" leer ausgingen, gibt es grundsätzlich zwei Wege. Zum einen verweist der Projektträger Jülich darauf, dass auch kleine und mittlere Unternehmen am „Aufruf B" teilnehmen können, der sich an alle Unternehmen richtet. Dieser läuft wettbewerblich und sammelt Bewerbungen bis zum 7. Juli, bevor sie nach festgelegten Kriterien bewertet werden – ein grundlegend anderes Verfahren als das First-Come-First-Served-Prinzip des Aufruf A.
Der Start von Aufruf B verzögert sich allerdings ebenfalls: Eigentlich hätte die Antragsfrist bereits am 26. Mai beginnen sollen. Technische Probleme verhinderten auch hier eine fristgerechte Öffnung des Portals. Für Unternehmen, die bereits Antragsunterlagen für Aufruf A vorbereitet hatten, bedeutet eine Bewerbung über Aufruf B zusätzlichen Aufwand, da sich die Förderanträge zwischen beiden Programmen unterscheiden.
Zum anderen kündigte der Projektträger Jülich an, dass im kommenden Jahr weitere Förderaufrufe für den Aufbau von Ladeinfrastruktur für E-Lkw geplant sind. Für Unternehmen, die jetzt auf die Förderung angewiesen wären, um Investitionen in elektrische Lkw-Mobilität zu stemmen, kommt diese Perspektive jedoch zu spät.
Kritik an digitalen Prozessen wächst
Der Vorfall offenbart ein strukturelles Problem bei der Umsetzung staatlicher Förderprogramme: Wenn Mittel im Wettlauf vergeben werden, müssen die digitalen Systeme dem Andrang standhalten. Dass ein Förderportal ausgerechnet am ersten Tag und unter vorhersehbar hoher Last versagt, untergräbt das Vertrauen von Unternehmen, die auf solche Programme als Planungsgrundlage für Investitionen in Elektro-Lkw und deren Ladeinfrastruktur setzen. Der Projektträger Jülich hatte auf eine unmittelbare Stellungnahme zunächst nicht reagiert.