E-Lkw-Schnellladenetz: 836 Ladepunkte an Autobahnen

Die Autobahn GmbH vergibt Aufträge für 836 E-Lkw-Ladepunkte an 124 Autobahnrastanlagen. Eine Milliarde Euro fließt in das neue Schnellladenetz für den Güterverkehr.

Die Autobahn GmbH hat die Vergabe für den Aufbau eines bundesweiten Schnellladenetzes für Elektro-Lkw abgeschlossen. An 124 unbewirtschafteten Rastanlagen entlang der deutschen Autobahnen entstehen insgesamt 836 Ladepunkte für den schweren Straßengüterverkehr. Das Bundesverkehrsministerium stellt dafür rund eine Milliarde Euro bereit.

Die Aufträge wurden in fünf Losen vergeben, die jeweils rund 25 Standorte umfassen. Den Zuschlag erhielten laut Autobahn GmbH die Eliso Voltix Truck Charging GmbH, die Autostrom.plus GmbH, die Electric Mobility Infrastructure Deutschland GmbH gemeinsam mit Engie Vianeo, die Bietergemeinschaft STRA-loaded sowie die Bietergemeinschaft Eon Drive & mblty. Die beteiligten Unternehmen sind für Planung, Errichtung und Betrieb der jeweiligen Ladeinfrastruktur zuständig.

MCS und CCS: Welche Ladepunkte für E-Lkw entstehen

Von den 836 neuen Ladepunkten entfallen 447 auf das Megawatt Charging System (MCS) mit einer Ladeleistung von über 1.000 Kilowatt. Diese Hochleistungslader sind für das schnelle Aufladen während kurzer Stopps ausgelegt. Hinzu kommen 157 CCS-Ladepunkte mit 400 kW sowie 232 CCS-Ladepunkte mit 100 kW, die vor allem für längere Standzeiten und Übernachtpausen vorgesehen sind.

Der Technologiemix trägt den unterschiedlichen Betriebsprofilen von Elektro-Lkw im Fernverkehr Rechnung. Im Unterschied zum Pkw-Bereich müssen die Standorte nicht nur ausreichend Ladeleistung bieten, sondern auch auf Lenk- und Ruhezeiten, Fahrprofile sowie die spezifischen Anforderungen von Logistikketten abgestimmt sein.

Lkw-Ladeinfrastruktur an der Autobahn: Chancen und Kritik

Die Bundesregierung sieht in dem Projekt einen strategischen Schritt für den Logistikstandort Deutschland. Ziel ist es, Lieferketten resilienter und kosteneffizienter zu gestalten und den Umstieg auf klimafreundliche Nutzfahrzeuge zu beschleunigen. Das Vorgehen ähnelt dem des Pkw-Deutschlandnetzes, bei dem der Bund den Aufbau von Schnellladeinfrastruktur ebenfalls auf mehrere Betreiber in Losen aufgeteilt hatte.

Kritisch bewertet wird jedoch die Wahl der Standorte. Unbewirtschaftete Rastanlagen bieten Lkw-Fahrern kaum Aufenthaltsqualität – es fehlen Sanitäranlagen, Gastronomie und weitere Einrichtungen, die bei längeren Ladepausen relevant werden. Gerade bei Übernachtladungen, für die die 100-kW-Punkte vorgesehen sind, wiegt dieser Mangel besonders schwer.

Planbare Ladekosten als offene Frage für Speditionen

Neben der physischen Infrastruktur stellt die Komplexität des öffentlichen Ladens eine wachsende Herausforderung dar. Schon im Pkw-Bereich führen unterschiedliche Tarife, Roaming-Aufschläge und Ad-hoc-Preise an öffentlichen Ladepunkten zu Unübersichtlichkeit. Für Speditionen, die mit engen Margen kalkulieren, ist das kein Komfortproblem, sondern ein Kostenrisiko.

Die Elektro-Lkw-Ladestation der Zukunft muss für den Güterverkehr so zuverlässig und berechenbar funktionieren wie eine Dieseltankstelle. Ob die neue Infrastruktur diesen Anspruch erfüllt, hängt nicht allein von der Anzahl der Ladepunkte ab, sondern auch von transparenten und einheitlichen Tarifsystemen – eine Frage, die die Politik bislang offen gelassen hat.