Eine neue Studie des Öko-Instituts belegt eine außergewöhnlich hohe Akzeptanz von Elektro-Lkw unter Transportunternehmen mit echter Praxiserfahrung: 93 Prozent der befragten 57 Unternehmen, die schwere E-Lkw seit mindestens einem Jahr täglich einsetzen, geben an, zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Die Untersuchung trägt den Titel „Akzeptanz von E-Lkw nach längerer Praxiserprobung" und richtet sich gezielt an sogenannte Early Adopters – Betriebe, die früh auf batterieelektrische Nutzfahrzeuge gesetzt haben.
Besonders auffällig: Viele der befragten Unternehmen bewerten die technischen Eigenschaften ihrer elektrischen Lkw besser als die vergleichbarer Dieselmodelle. Gelobt werden vor allem die hohe Zuverlässigkeit, der ruhige Fahrkomfort und die niedrigen Betriebskosten. Auch bei Fahrerinnen und Fahrern stoßen die Fahrzeuge laut Studie auf breite Akzeptanz.
E-Lkw im Fernverkehr: Reichweite als unterschätzter Faktor
Die Studie widerlegt die verbreitete Annahme, elektrische Lkw seien allenfalls für kurze Innenstadtstrecken geeignet. Rund 70 Prozent der Unternehmen, die in den vergangenen zwölf Monaten neue E-Lkw angeschafft haben, setzen diese bereits im regionalen oder nationalen Fernverkehr ein. Fahrzeuge mit einer Reichweite von mindestens 500 Kilometern erreichen dabei laut den Studiendaten durchschnittliche Tagesfahrleistungen von 432 Kilometern.
Als wichtiger Faktor für den Einsatz im Fernverkehr gilt die geltende Mautbefreiung für elektrische Lkw. Dieser Kostenvorteil macht die Fahrzeuge gegenüber Dieselmodellen auf langen Strecken wirtschaftlich attraktiver – ein Anreiz, der im städtischen Verteilerverkehr in dieser Form nicht greift.
Hohe Anschaffungskosten und Ladeinfrastruktur bleiben Hürden
Trotz der positiven Gesamtbilanz benennen die befragten Unternehmen klare Hindernisse. An erster Stelle stehen die hohen Anschaffungskosten elektrischer Lkw, gefolgt vom noch unzureichenden Ausbau der Depotladeinfrastruktur und bürokratischen Hürden beim Netzanschluss. Auch das öffentliche Ladenetz für schwere Nutzfahrzeuge gilt vielen Befragten als ausbaufähig.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Total Cost of Ownership (TCO) – also die Gesamtkosten über die gesamte Fahrzeuglebensdauer – bei E-Lkw in vielen Fällen günstiger ausfällt als bei vergleichbaren Dieselfahrzeugen. Der höhere Kaufpreis wird demnach durch niedrigere Betriebskosten über die Nutzungsdauer kompensiert.
Blick auf 2030: Batterie verdrängt Wasserstoff
Die Erwartungen der befragten Unternehmen an die Zukunft sind eindeutig: Abermals 93 Prozent gehen davon aus, dass batterieelektrische Lkw bis 2030 zum Standard in ihren Fuhrparks werden. Alternative Antriebskonzepte wie Wasserstoff-Lkw oder Bio-CNG werden in dieser Einschätzung deutlich weniger Bedeutung zugemessen.
Das Öko-Institut weist zudem darauf hin, dass praktische Erfahrungen mit elektrischen Nutzfahrzeugen anfängliche Vorbehalte rasch relativieren. Unternehmen ohne eigene E-Lkw-Erfahrung neigen demnach stärker zu Skepsis gegenüber Reichweite, Kosten und Alltagstauglichkeit – ein Muster, das sich mit früheren Untersuchungen des Instituts deckt. Die Studie legt nahe, dass der breitere Markthochlauf vor allem durch fehlende Ersterprobung gebremst wird, weniger durch technische Defizite der Fahrzeuge selbst.