Milence hat am Autohof „Lohfeldener Rüssel" bei Kassel seinen neunten deutschen Ladepark für Elektro-Lkw eröffnet. Der Standort direkt an der A7 gilt als Meilenstein für die Lkw-Ladeinfrastruktur in Deutschland – und setzt erstmals hierzulande auf ein massives stationäres Batteriespeichersystem, um einen begrenzten Netzanschluss auszugleichen.
Die lokale Netzkapazität am Standort ist derzeit auf 500 kW limitiert. Um die vier Ladebuchten dennoch unter Volllast betreiben zu können, ergänzt ein Batteriespeichersystem des Herstellers Pixii die Anlage mit zusätzlichen 900 kW Leistung und 1,8 MWh Speicherkapazität. Damit lässt sich der Engpass am Netzanschluss effektiv überbrücken.
Modulares Konzept für den Elektro-Lkw-Ausbau
Das technische Konzept hinter dem Batteriespeicher ist bewusst auf Flexibilität ausgelegt. Laut Milence kann das System bei Bedarf zu anderen Standorten transportiert werden – per E-Lkw. Damit reagiert das Unternehmen auf eine strukturelle Herausforderung beim schnellen Netzwerkausbau: Geeignete Netzanschlüsse sind oft nicht sofort in ausreichender Kapazität verfügbar. Mit dem mobilen Pufferspeicher lässt sich ein neuer Ladestandort dennoch zügig in Betrieb nehmen, ohne auf den Netzausbau warten zu müssen.
Antje Huber, verantwortlich für die Dekarbonisierung bei DHL Freight, betont die Dringlichkeit skalierbarer Lösungen: „Infrastruktur ist der Kern. Sie muss zuerst da sein, damit dann skaliert werden kann." Zugleich verweist sie auf die wirtschaftliche Realität der Branche – steigende Kosten durch die fossile Energiekrise erhöhen den Druck auf Speditionen, auf elektrische Antriebe umzusteigen. Die Wirtschaftlichkeit bleibe dabei das entscheidende Kriterium, da Kunden keine erheblichen Mehrkosten für ihre Transporte akzeptieren würden.
Lkw-Ladestation trifft auf Autohof-Infrastruktur
Der Standort am „Lohfeldener Rüssel" verbindet die neue Elektro-Lkw-Ladestation mit der etablierten Infrastruktur eines klassischen Autohofs. Für den erfahrenen Elektrotrucker Tobias Wagner, der nach eigenen Angaben bereits über 200.000 rein elektrische Lkw-Kilometer zurückgelegt hat, ist diese Kombination der richtige Weg. Er sieht in der Verknüpfung von High-Power-Charging mit vorhandener Autohofinfrastruktur einen klaren Vorteil für das Ladeerlebnis der Fahrer.
Wagner zufolge erleichtert die Nutzung bestehender Infrastruktur auch den Betreibern den Aufbau eines verlässlichen Ladeangebots. Die Diskussion über technische Standards – etwa CCS gegenüber MCS – und die künftige Positionierung von Ladeanschlüssen an Fahrzeugen bleibt in der Branche ein aktuelles Thema, das die Praxistauglichkeit der Ladeinfrastruktur unmittelbar beeinflusst.
Netzausbau als zentrale Herausforderung für die E-Lkw-Infrastruktur
Die Eröffnung des Milence-Ladeparks bei Kassel verdeutlicht eine der zentralen Herausforderungen beim Hochlauf elektrischer Nutzfahrzeuge in Deutschland: Der Ausbau des Stromnetzes hält mit dem wachsenden Bedarf an leistungsstarken Lkw-Ladestationen nicht immer Schritt. Batteriespeichersysteme wie das in Lohfelden installierte können als Übergangslösung dienen, solange Netzanschlüsse noch nicht die erforderliche Kapazität bieten.
Der Standort in der Mitte Deutschlands steht damit exemplarisch für eine Branche im Umbruch: Logistikunternehmen, Infrastrukturanbieter und Fahrzeughersteller suchen gemeinsam nach praktikablen Wegen, den Übergang vom Diesel zum elektrischen Antrieb wirtschaftlich und betrieblich tragfähig zu gestalten. Mit dem modularen Batteriespeicher-Ansatz zeigt Milence eine mögliche Blaupause für weitere Standorte mit eingeschränkter Netzkapazität.