Lidl Niederlande will ab 2027 sämtliche seiner rund 440 Filialen ausschließlich mit Elektro-Lkw beliefern. Damit zieht das Unternehmen sein ursprünglich für 2030 gesetztes Ziel um drei Jahre vor. Nach eigenen Angaben wäre Lidl damit der erste Einzelhändler weltweit mit einer vollständig elektrischen Warenversorgung.
Den offiziellen Startschuss für das Vorhaben gab die Eröffnung eines neuen Schnellladeparks am Distributionszentrum in Almere. Bei der Veranstaltung war auch der niederländische Minister für Infrastruktur und Wasserwirtschaft, Vincent Karremans, anwesend. Er lobte den Schritt und verwies auf die Bedeutung der Elektrifizierung des Güterverkehrs für Energieunabhängigkeit, Luftqualität und CO2-Einsparungen.
Megawatt-Charger und Batteriespeicher am Elektro-Lkw-Ladepark
Der neue Ladepark in Almere verfügt laut Unternehmensangaben über einen Megawatt-Charger mit einer Leistung von 1.000 kW sowie einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von einer Megawattstunde. Der Speicher dient dazu, Lastspitzen abzufangen, die beim gleichzeitigen Laden mehrerer Lkw entstehen können. Die Region Noord-Holland und Flevoland wird bereits jetzt vollständig elektrisch mit Waren versorgt.
Ein zentrales Element der Strategie ist die eigene Stromerzeugung. Auf den Dächern der Distributionszentren betreibt Lidl Niederlande großflächige Solaranlagen, die in Kombination mit den Batteriespeichern einen erheblichen Teil des Energiebedarfs decken. Überschüssigen Grünstrom stellt das Unternehmen Drittanbietern zur Verfügung, um das Stromnetz zu entlasten und anderen Unternehmen bei der Dekarbonisierung ihres Transports zu helfen.
Wirtschaftliche Vorteile sollen an Kunden weitergegeben werden
Ruud Metten, Leiter Transport bei Lidl Niederlande, betont die wirtschaftlichen Vorteile der frühzeitigen Investitionen in elektrische Lkw. Durch die Elektrifizierung sei das Unternehmen weniger abhängig von der niederländischen Lkw-Maut und schwankenden Kraftstoffpreisen. Die daraus entstehenden Kostenvorteile sollen direkt an die Kundschaft weitergegeben werden.
Geschäftsführer Peter de Roos unterstreicht, dass Nachhaltigkeit und Bezahlbarkeit aus seiner Sicht kein Widerspruch seien. Durch Investitionen in die elektrische Belieferung ließen sich die Lebensmittelpreise niedrig halten, so de Roos. Alle Distributionszentren arbeiten dem Unternehmen zufolge bereits ohne Gas und erzeugen über Zehntausende Solarmodule einen Großteil des benötigten Stroms selbst.
Abschluss einer langjährigen Nachhaltigkeitsstrategie
Die vollständige Umstellung auf elektrische Lkw bis 2027 ist für Lidl Niederlande nicht der Beginn, sondern der Abschluss eines längeren Prozesses. Seit 2024 beliefert das Unternehmen seine Filialen bereits fossilfrei. Die nun angekündigte vollständige Elektrifizierung markiert den letzten Schritt in einer Nachhaltigkeitsstrategie, die alle Bereiche der Logistik und Energieversorgung umfasst.
Ob andere Einzelhändler dem Beispiel folgen werden, bleibt abzuwarten. Lidl Niederlande hat mit dem Aufbau eigener Ladeinfrastruktur, integrierter Solarenergie und der gezielten Nutzung von Batteriespeichern ein Modell entwickelt, das über die reine Fahrzeugumstellung hinausgeht und die gesamte Energieversorgung der Logistikkette einbezieht.