Daimler Truck hat Praxisdaten aus dem laufenden Betrieb seiner Elektro-Lkw der Marke Mercedes-Benz veröffentlicht. Die Zahlen zeigen: Trotz höherer Anschaffungskosten können elektrische Lastwagen im Vergleich zu Dieselfahrzeugen über die Jahre hinweg günstiger im Betrieb sein. Als zentrales Modell steht dabei der eActros 600 im Mittelpunkt – ausgezeichnet als „International Truck of the Year 2025".
Der Markt für elektrische Lkw wächst, bleibt aber klein. In der EU wurden 2025 rund 5.000 neue Elektro-Lkw mit über 16 Tonnen zugelassen, was einem Marktanteil von etwa zwei Prozent entspricht. Daimler Truck sieht darin erheblichen Handlungsbedarf und führt die Zurückhaltung vieler Speditionen auf anhaltende Mythen über Reichweite, Wirtschaftlichkeit und Ladeinfrastruktur zurück.
Elektro-Lkw im Einsatz: Was die Realdaten zeigen
Zwischen November 2025 und März 2026 begleitete Mercedes-Benz Trucks eine Datenerhebung über mehr als 3.000 Touren und 3.100 Ladevorgänge mit über 15 Fahrzeugen in der eigenen Inbound-Logistik. Das Ergebnis laut Unternehmensangaben: Batterieelektrischer Anlieferverkehr ist im regulären Serienbetrieb zuverlässig umsetzbar. Auf rund 30 Prozent der Inbound-Routen zum Montagewerk Wörth am Rhein sind bereits batteriebetriebene Lkw unterwegs.
Konkrete Einsparungen zeigen sich in den Praxisbeispielen einzelner Speditionen. Bei der Spedition Seifert aus Ulm fährt ein eActros 600 mit durchschnittlich 36 Tonnen Gesamtzuggewicht täglich rund 600 Kilometer zwischen Wörth am Rhein und Bielefeld. Wie das Unternehmen mitteilt, spart der Betreiber dabei mehr als 4.000 Euro Maut pro Monat sowie 90 Tonnen CO2 pro Jahr. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Pendelverkehr von Logistik Schmitt zwischen Germersheim und Wörth am Rhein: Acht tägliche Fahrten über insgesamt 352 Kilometer, vollständiges Laden während der Be- und Entladezeiten – und eine monatliche Mautersparnis von mehr als 2.300 Euro.
eActros 600: Reichweite und Gesamtbetriebskosten im Fokus
Der eActros 600 verdankt seinen Namen der Batteriekapazität von 600 Kilowattstunden, verteilt auf drei Batteriepakete mit Lithium-Eisenphosphat-Zelltechnologie. Die angegebene Reichweite von 500 Kilometern kann laut Unternehmensangaben je nach Fahrweise und Strecke deutlich übertroffen werden. Seit dem Serienstart 2024 ist das Modell in über 15 europäischen Ländern im Einsatz.
Auf der Fernverkehrsroute des Transportunternehmens Fercam legt ein eActros 600 täglich rund 600 Kilometer von Südtirol nach Wörth am Rhein zurück – mit einem Gesamtgewicht von bis zu 42 Tonnen und bei mitunter winterlichen Temperaturen. Auch hier gibt Daimler Truck Einsparungen von 90 Tonnen CO2 pro Jahr sowie 3.900 Euro weniger Mautkosten pro Monat an.
Ladeinfrastruktur bleibt Schwachstelle
Bei der öffentlichen Ladeinfrastruktur sieht Mercedes-Benz Trucks weiterhin Verbesserungsbedarf. Über das Joint Venture Milence beteiligt sich Daimler Truck am Ausbau des öffentlichen Ladenetzes für schwere Nutzfahrzeuge. Parallel dazu setzen Speditionen auf Werk- und Depotladen mit eigenen Ladepunkten sowie auf sogenanntes Semi-Public Charging, bei dem teilweise öffentlich zugängliche Infrastruktur entlang der Logistikketten aufgebaut wird.
Die Elektrifizierung des Güterverkehrs gilt als entscheidend für die Dekarbonisierung des Transportsektors. Neben batterieelektrischen Antrieben wird auch der Wasserstoffantrieb als möglicher Weg diskutiert. Politische Förderungen – etwa in Kalifornien und zunehmend in Europa – sollen den Hochlauf beschleunigen. Die aktuellen Marktanteile zeigen jedoch, dass der Weg zur breiten Marktdurchdringung noch weit ist.