Elektrotransporter aus China: Neue Konkurrenz für den europäischen Markt

Chinesische Hersteller wie Foton, Delivan und Farizon drängen mit Elektrotransportern nach Europa – ohne zusätzliche EU-Zölle. Was das für etablierte Anbieter bedeutet.

Chinesische Nutzfahrzeughersteller drängen mit einer neuen Generation von Elektrotransportern nach Europa. Unternehmen wie Chery, Foton und der Geely-Konzern mit seinen Tochtermarken Farizon und Delivan haben konkrete Markteinführungen angekündigt – und nutzen dabei einen entscheidenden regulatorischen Vorteil: Anders als chinesische Pkw unterliegen leichte Nutzfahrzeuge aus China derzeit keinen zusätzlichen EU-Strafzöllen.

Der Anteil chinesischer Marken im Segment der elektrischen Kleintransporter ist in Europa bislang noch gering. Mit Maxus ist bisher nur eine Handvoll Anbieter aus der Volksrepublik aktiv. Doch das dürfte sich in den kommenden Jahren ändern: Gleich mehrere Hersteller haben ihre Expansion auf dem europäischen Markt öffentlich angekündigt.

Geplante Markteinführungen: Wer kommt wann?

Foton, in China vor allem als Hersteller schwerer Lkw bekannt, will seinen Elektrotransporter Cavan noch in diesem Jahr in Großbritannien einführen. Anschließend sind weitere europäische Märkte geplant, darunter Griechenland, Italien, Spanien und Polen. Das Modell basiert auf einer dedizierten Elektroplattform und bietet laut Unternehmensangaben überdurchschnittlich viel Laderaum.

Chery plant mit der Tochtermarke Delivan eine vollständige Palette an Elektrotransportern – von kompakten bis zu großen Modellen. Die Markteinführung in Europa ist für 2027 vorgesehen. Produziert werden sollen die Fahrzeuge im ehemaligen Nissan-Werk in Barcelona, wo Mutterkonzern Chery bereits Pkw fertigt. Die Montage soll aus sogenannten Bausätzen erfolgen, wie Delivan-CEO Jolly Yang auf der Commercial Vehicle Show in Birmingham erklärte.

Geelys Tochter Farizon ist mit dem Transporter SV bereits in mehreren europäischen Ländern vertreten und startet nun auch in Deutschland. Der SV soll hierzulande ab 44.900 Euro netto erhältlich sein, ein jüngeres Schwestermodell ab 32.600 Euro netto, wie das Unternehmen mitteilt.

Etablierte Hersteller reagieren – mit chinesischer Hilfe

Die Reaktion der etablierten Nutzfahrzeughersteller auf den wachsenden Wettbewerb fällt unterschiedlich aus. Ford bringt mit dem Transit City einen kompakten Elektrotransporter auf den Markt, der in China beim Joint-Venture-Partner Jiangling Motors gefertigt wird. Das Modell verwendet eine 56-kWh-Batterie mit Lithium-Eisenphosphat-Chemie und erreicht laut Unternehmensangaben eine Reichweite von rund 254 Kilometern. Der Preis soll deutlich unter dem des größeren E-Transit Custom liegen.

Renault hingegen setzt auf ein anderes Argument: Der französische Hersteller verweist auf die Bedeutung eines flächendeckenden Kundendienstnetzes, eines funktionierenden Ersatzteilgeschäfts und des Umbausegments. Beim großen Renault-Transporter würden laut Unternehmensangaben rund 70 Prozent der Fahrzeuge umgebaut verkauft – ein Bereich, in dem neue Marktteilnehmer erst Strukturen aufbauen müssten.

Elektrotransporter: Wachstum reicht für EU-Ziele nicht aus

Der Markteintritt chinesischer Anbieter trifft auf ein Segment im Wandel. Laut dem europäischen Herstellerverband ACEA machten Elektrotransporter im vergangenen Jahr rund 11 Prozent der Neuzulassungen in Europa aus – gegenüber 6 Prozent im Vorjahr. Trotz dieses Wachstums reicht das Tempo nicht aus, um die EU-Klimaziele im Nutzfahrzeugbereich zu erfüllen. Die Europäische Union hat vorgegeben, die CO₂-Emissionen leichter Nutzfahrzeuge bis 2029 um 15 Prozent gegenüber 2021 zu senken.

Die chinesischen Hersteller setzen in diesem Umfeld auf zwei Hebel: wettbewerbsfähige Preise und das wachsende Vertrauen der Käufer in chinesische Elektrofahrzeugtechnologie. Ob das ausreicht, um in einem Markt zu bestehen, der neben dem Fahrzeug auch ein komplexes Servicenetz erfordert, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.