Seit dem 1. Juli 2026 gilt in den Niederlanden eine kilometerbezogene Lkw-Maut für alle Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Die Regelung erfasst nahezu das gesamte niederländische Straßennetz und betrifft auch Elektro-Lkw – anders als vergleichbare Systeme in Deutschland oder der Schweiz.
Die Mautgebühr richtet sich nach zwei Faktoren: dem Fahrzeuggewicht und der CO2-Emissionsklasse. Insgesamt gibt es vier Gewichtsstufen und fünf Emissionsklassen, wobei Klasse 5 die sauberste Kategorie darstellt. Elektrische Lkw werden dieser höchsten Klasse zugeordnet und zahlen damit den niedrigsten Mautsatz – eine vollständige Befreiung, wie sie in Deutschland gilt, ist jedoch nicht vorgesehen.
Elektro-Lkw zahlen deutlich weniger als Diesel-Fahrzeuge
Ein Elektro-Lkw ab 32 Tonnen zulässiger Gesamtmasse zahlt in der Emissionsklasse 5 einen Satz von 0,038 Euro pro Kilometer. Ein vergleichbarer Diesel-Lkw der mittleren Emissionsklasse 3 wird hingegen mit 0,165 Euro pro Kilometer veranschlagt – mehr als viermal so viel. Damit setzt das System einen klaren wirtschaftlichen Anreiz für den Einsatz emissionsärmerer Fahrzeuge, ohne elektrische Lkw gänzlich von der Kostenbeteiligung auszunehmen.
Eine Ausnahme gilt lediglich für elektrische Transporter bis 4,25 Tonnen: Diese sind vollständig von der Mautpflicht befreit. Für schwerere E-Lkw – etwa eine elektrische Sattelzugmaschine oder größere Verteilerfahrzeuge – fällt hingegen der reduzierte Mautsatz an.
Einnahmen fließen zurück in den Straßentransportsektor
Ein Großteil der Mauteinnahmen soll laut den Verantwortlichen direkt in den Straßentransportsektor reinvestiert werden. Vorgesehen sind unter anderem Subventionen für Unternehmen, die in Elektro-Lkw und die dazugehörige Ladeinfrastruktur investieren wollen. Das Prinzip der Rückführung soll die Elektrifizierung des Güterverkehrs beschleunigen und den wirtschaftlichen Umstieg auf emissionsfreie Antriebe für Transportunternehmen attraktiver machen.
Parallel zur Einführung der Lkw-Maut entfällt in den Niederlanden die bisherige Eurovignetten-Pflicht. Zudem wird die Kfz-Steuer für Lkw bis 12 Tonnen abgeschafft. Für schwerere Fahrzeuge soll die niederländische Kfz-Steuer schrittweise auf das europäische Mindestniveau gesenkt werden, was inländische Logistikunternehmen zusätzlich entlastet.
Übergangsregelungen und befristete Ermäßigung bis Ende 2026
In den ersten sechs Monaten nach Einführung gelten noch Übergangsregelungen. Wer ohne den verpflichtenden Mauttransponder angetroffen wird, zahlt zunächst nur ein reduziertes Bußgeld. Darüber hinaus gilt vom 1. September bis zum 31. Dezember 2026 eine befristete Ermäßigung von 22,3 Prozent auf die reguläre Mautgebühr.
Diese temporäre Entlastung wurde auf Antrag des Abgeordnetenhauses beschlossen, um den Straßengüterverkehr angesichts hoher Treibstoffkosten zu stützen. Vom 1. Juli bis zum 1. September – also in der Sommer- und Urlaubsphase – gilt zunächst der volle Mautsatz ohne Abzug.
Mit der neuen Regelung positionieren sich die Niederlande als eines der ersten europäischen Länder mit einer umfassenden, gewichts- und emissionsabhängigen Lkw-Maut, die bewusst Anreize für den Einsatz elektrischer Nutzfahrzeuge setzt – ohne diese vollständig von der Finanzierungspflicht auszunehmen.