E-Lkw-Laden im Reallabor: Netze BW startet FlexCharge BW

Netze BW startet das Reallabor FlexCharge BW zum netzdienlichen E-Lkw-Laden. 40 elektrische Lkw, 20 Ladepunkte, zwei Logistikpartner – bis Dezember 2026.

Der Verteilnetzbetreiber Netze BW hat das Innovationsprojekt „FlexCharge BW – NETZlabor E‑Lkw" gestartet. Ziel ist es, das netzdienliche Laden großer E-Lkw-Flotten unter realen Bedingungen zu erproben und optimale Integrationsstrategien für das Verteilnetz zu entwickeln. Das Projekt läuft bis Dezember 2026 und umfasst 40 elektrische Lkw sowie 20 Schnellladepunkte an insgesamt vier Depotstandorten in Baden-Württemberg.

Netze BW ist für frühe Reallabore zum Laden von Elektro-Pkw bekannt und überträgt diesen Ansatz nun auf schwere Nutzfahrzeuge. Partner des Feldtests sind die Spedition Stickel aus Nagold und Logistik Schmitt aus Bietigheim. Beide Unternehmen stellen ihre E-Lkw-Flotten für ein netzorientiertes Lademanagement zur Verfügung, das bislang noch nicht zum Stand der Technik gehört.

E-Lkw-Ladestation und Netz: Das Problem hoher Anschlussleistungen

Der Hochlauf elektrischer Lkw stellt Verteilnetze vor erhebliche Herausforderungen. An Logistikdepots entstehen in kurzer Zeit sehr hohe Leistungsanforderungen, die laut Netze BW oft aufwendige und zeitintensive Netzausbauten erfordern. Besonders hohe Anmeldeleistungen für elektrische Lastwagen sind dabei ein zentrales Hindernis für die schnelle Elektrifizierung von Lkw-Flotten.

Das Reallabor setzt genau hier an: Statt ausschließlich auf Netzausbau zu setzen, soll netzorientiertes Laden kurzfristig freie Kapazitäten nutzbar machen. Konkret werden Zeitfenster mit geringer Netzlast identifiziert und für den Ladevorgang genutzt. Zusätzlich erprobt das Projekt innovative Lösungen für schnellere Netzanschlüsse, um die Zeit bis zur Betriebsbereitschaft neuer Ladeinfrastruktur zu verkürzen.

Dynamische Ladepläne für elektrische Lkw-Flotten

Kern des Projekts ist die Entwicklung dynamischer Ladefahrpläne, die Netzsituation und logistische Abläufe miteinander verknüpfen. Netze BW stellt dabei Informationen zur aktuellen Netzauslastung bereit; das Energiemanagement am jeweiligen Depotstandort übersetzt diese Vorgaben in konkrete Ladeanweisungen für die Fahrzeuge. Die Ladeleistung wird so angepasst, dass bei hoher verfügbarer Netzkapazität – etwa durch lokale Photovoltaikeinspeisung – mehr geladen wird, während sie bei hoher Netzlast gedrosselt wird.

Die unterschiedlichen Unternehmensstrukturen der beiden Logistikpartner erlauben dabei verschiedene Schwerpunkte. Bei Logistik Schmitt steht das standortübergreifende Lademanagement über mehrere Betriebshöfe im Fokus. Bei der Spedition Stickel liegt der Schwerpunkt auf netzorientiertem Laden in Verbindung mit dynamischen Stromtarifen. Ein stationärer Speicher soll am Stickel-Standort in Nagold die vorhandene PV-Anlage ergänzen, wie das Unternehmen mitteilt.

Erkenntnisse sollen auf weitere Standorte übertragbar sein

Die praktischen Erfahrungen aus dem Feldtest werden durch Datenanalysen und Simulationen ergänzt. Das erklärte Ziel: Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nicht nur für die beteiligten Depots gelten, sondern auf andere Standorte übertragbar gemacht werden. Netze BW will damit eine Grundlage schaffen, die dem gesamten Sektor bei der Integration von Elektro-Lkw-Flotten in bestehende Verteilnetze nützt.

Die beteiligten Logistikunternehmen erhoffen sich durch die Teilnahme konkrete Wettbewerbsvorteile. Netzorientiertes Laden bietet ihnen das Potenzial, Betriebskosten zu senken und Ladekapazitäten schneller zu erschließen, als es ein klassischer Netzausbau erlauben würde. Das NETZlabor E-Lkw läuft nach aktuellem Stand bis Dezember 2026.