Scania E-Lkw: Siebtes Batteriepack und MCS-Port bestellbar

Scania macht sein siebtes Batteriepack und den MCS-Port für E-Lkw bestellbar. Reichweiten von über 800 km und Vehicle-to-Grid mit 750 kW: Was das bedeutet.

Der schwedische Nutzfahrzeughersteller Scania erweitert sein Angebot für elektrische Lkw: Ein siebtes Batteriepack, das unterhalb der Fahrerkabine platziert wird, ist ab sofort bestellbar. Gleichzeitig hat Scania den lange angekündigten MCS-Port (Megawatt Charging System) für seine E-Lkw-Baureihe zur Bestellung freigegeben.

Bislang boten die Schweden ihre Elektro-Lkw mit maximal sechs Batteriepacks und einer Nettokapazität von 480 kWh an, was Reichweiten von bis zu 500 Kilometern ermöglichte. Mit dem neuen Unterkabinenmodul stehen nun drei Konfigurationen zur Verfügung: 400 kWh, 480 kWh sowie 560 kWh netto. Laut Unternehmensangaben sollen in einzelnen Anwendungsfällen bei der größten Konfiguration Reichweiten von weit über 800 Kilometern mit einer einzigen Ladung erreichbar sein.

Scania Elektro-Lkw: Reichweite und Nutzlast im Fokus

Die neue 400-kWh-Option richtet sich laut Scania explizit an Transportunternehmen, die auf maximale Nutzlast angewiesen sind. Diese Konfiguration ermögliche eine Reichweite von rund 350 Kilometern bei gleichzeitig gesetzlich zulässiger Höchstnutzlast. Hintergrund ist die in der EU geltende Sonderregelung, die batterie-elektrischen Fahrzeugen ein höheres Gesamtgewicht als vergleichbaren Dieselfahrzeugen erlaubt. Scania bewirbt diese Variante damit, dass Flottenbetreiber auf Elektromobilität umsteigen können, ohne Abstriche bei der Transportkapazität machen zu müssen.

Mit den drei verfügbaren Batteriekonfigurationen sollen Transportunternehmen in die Lage versetzt werden, die Kapazität ihrer Elektro-Lkw gezielt auf unterschiedliche Einsatzbereiche abzustimmen – von schweren Lasten über anspruchsvolle Aufbauten bis hin zum Fernverkehr. Die flexible Positionierung der Batteriepacks ermögliche es, verschiedenste Aufbautypen zu bedienen, wie das Unternehmen mitteilt.

MCS-Port: Schnellladen für den E-Lkw der Zukunft

Parallel zur neuen Batterieoption hat Scania den MCS-Port für seine elektrischen Lkw zur Bestellung freigegeben. Das Megawatt Charging System gilt als Ladestandard der nächsten Generation für schwere Nutzfahrzeuge und soll künftig deutlich kürzere Ladezeiten ermöglichen als heutige Systeme. Einen konkreten Auslieferungstermin für Fahrzeuge mit MCS-Anschluss nennt Scania bislang nicht – der Standard selbst befindet sich noch in der Finalisierungsphase.

Unabhängig davon hat Scania bereits den nächsten technologischen Schritt demonstriert: In einem Versuch mit bidirektionalem MCS-Laden erreichte ein Elektro-Lkw des Herstellers eine Rückspeiseleistung von bis zu 750 Kilowatt ins Stromnetz. Das System ermöglichte dabei eine Echtzeitkommunikation zwischen Fahrzeug, Ladesäule und Energiemanagementsystem.

Vehicle-to-Grid: E-Lkw als Ressource im Energiesystem

Die erfolgreiche Demonstration des bidirektionalen Ladens per MCS eröffnet nach Einschätzung von Scania neue Geschäftsmodelle für Flottenbetreiber. Elektro-Lkw könnten künftig nicht nur als Stromverbraucher fungieren, sondern als steuerbare Komponenten im Energiesystem – und damit Energieflexibilität als zusätzliche Dienstleistung anbieten. Scania bezeichnet den Versuch als eine der weltweit ersten Demonstrationen von Vehicle-to-Grid-Funktionalität für schwere Nutzfahrzeuge unter Verwendung des MCS-Standards.

Die Kombination aus erweiterter Batteriekapazität, bestellbarem MCS-Port und demonstrierter Rückspeisefähigkeit positioniert Scania im hart umkämpften Markt der elektrischen Lkw neu – zu einem Zeitpunkt, an dem Wettbewerber wie MAN ebenfalls ihre Batteriekonfigurationen und Reichweitenangaben für schwere Elektro-Lkw ausweiten.