Der österreichische Lebensmitteleinzelhändler Spar hat seit April dieses Jahres die ersten Elektro-Lkw in seinen Logistikbetrieb integriert. Zehn neue E-Lkw der Hersteller MAN und Mercedes-Benz ersetzen schrittweise klassische Dieselfahrzeuge und kommen sowohl für Trockensortiment als auch für Kühltransporte zum Einsatz. Das Unternehmen plant bereits die nächste Beschaffungsrunde für 2027.
Die Fahrzeuge werden laut Unternehmensangaben an mehreren Standorten in den Regelbetrieb eingebunden, um das Zusammenspiel von Fahrzeugtechnik, Ladeinfrastruktur und regionalen Netzkapazitäten systematisch zu erproben. Parallel dazu errichtet Spar an seinen Logistikstandorten Hochleistungsladestationen – in enger Abstimmung mit Energieversorgern und Netzbetreibern. Die Ladeinfrastruktur wird über die österreichische ENIN-Förderung unterstützt.
Elektro-Lkw erstmals vollwertig im Kühltransport einsetzbar
Ein zentraler Treiber für den jetzigen Einstieg ist die technologische Reife der neuen Fahrzeuggenerationen. Wie das Unternehmen mitteilt, lassen sich Elektro-Lkw dank aktueller Weiterentwicklungen im Bereich der Elektromobilität erstmals auch inklusive Anhänger vollwertig im Regelbetrieb einsetzen. Das gilt ausdrücklich auch für den temperaturgeführten Transport, der bei Spar seit den 1990er-Jahren auf elektrischen Wechselstrom-Kühltechnologien basiert.
Die Integration dieser Kühlung in vollelektrische Lkw war technisch lange Zeit eine Herausforderung. Mit den neuen Modellen von MAN und Mercedes-Benz steht nun laut Spar erstmals eine Lösung bereit, die anspruchsvolle Kühltransporte über längere Strecken und in schwierigem Gelände – darunter alpine Regionen in bis zu 1.900 Metern Höhe – zuverlässig ermöglicht.
Ladeinfrastruktur und Netzkapazitäten im Fokus
Der Aufbau einer geeigneten Elektro-Lkw-Ladestation-Infrastruktur ist für Spar dabei kein Nebenprojekt, sondern integraler Bestandteil der Elektrifizierungsstrategie. Das Unternehmen lässt den Rollout wissenschaftlich begleiten, um den künftigen Netzbedarf bei einem vollständigen oder teilweisen Umstieg der rund 300 Fahrzeuge umfassenden Flotte zu ermitteln. Die gewonnenen Daten sollen direkt in die weitere Planung einfließen.
Die neuen E-Lkw werden dort eingesetzt, wo es betrieblich und infrastrukturell sinnvoll ist, wie das Unternehmen betont. Konkrete prozentuale Elektrifizierungsziele für die Gesamtflotte nennt Spar nicht. Fest steht jedoch: 2027 sollen weitere elektrische Lkw angeschafft werden, um die schrittweise Dekarbonisierung der Logistik fortzuführen.
Klimafreundlichere Logistik ohne Abstriche bei der Versorgungssicherheit
Mit dem Schritt in Richtung elektrischer Nutzfahrzeuge verfolgt Spar nach eigenen Angaben ein klares Ziel: Emissionen dort reduzieren, wo es technisch und infrastrukturell möglich ist – ohne die Versorgungssicherheit für mehr als 1.500 Filialen in Österreich zu beeinträchtigen. Die Standorte reichen dabei von innerstädtischen Lagen mit Zufahrtsbeschränkungen bis in alpine Regionen des Landes.
Der Einstieg von Spar in die E-Lkw-Logistik steht damit exemplarisch für eine breitere Entwicklung im Handel: Großflächige Fuhrparks werden zunehmend auf elektrische Antriebe umgestellt, sobald Reichweite, Ladeinfrastruktur und Fahrzeugtechnik die betrieblichen Anforderungen erfüllen. Wie schnell dieser Prozess bei Spar voranschreitet, wird der nächste Beschaffungszyklus ab 2027 zeigen.